Die Steuerberatung im Kreuzfeuer der Kritik


Steuerthemen haben es in den letzten Jahren bis auf die Frontseite der Medien in aller Welt geschafft. Von einem über Jahrzehnte unaufgeregtem Dasein ist gleichzeitig auch der Beruf der Steuerberatung vermehrt in den Fokus der Öffentlichkeit geraten.


Das Image der Steuerberaterin/des Steuerberaters hat sich in dieser Zeit vom langweiligen, trockenen Job, der sich mit Zahlen und Gesetzen und den Steuerbehörden herumschlagen muss und den Kunden/Kund-innen hilft, eine ungeliebte Aufgabe zu erledigen, zum/zur windigen und trickreichen Spieler/Spielerin gewandelt, welcher/welche die Behörden mit komplizierten Konstrukten verwirrt und schamlos alle Lücken im internationalen und nationalen Steuernetz ausnützt, um seine/ihre Kunden/Kund-innen vom Zugriff des Staates auf das Einkommen und Vermögen seiner Bürger/-innen zu schützen.

Wie immer in der medialen Darstellung sind beide Beschreibungen etwas zugespitzt und übertrieben. Es lohnt sich aber trotzdem genauer hinzuschauen und zu fragen, warum diese Entwicklung in den letzten Jahren stattgefunden hat und ob dieser «Imagewandel» mit der Realität etwas zu tun hat.

Die Ereignisse, welche die Steuerdebatte in den letzten Jahren beflügelten sind uns allen bekannt. Globalisierung und Finanzkrise sind die beiden Begriffe, welche die Steuern auf den medialen Schirm gehoben und zum politischen Thema gemacht haben.

Die Globalisierung ermöglichte es den Unternehmen unter Ausnutzung der unterschiedlichen Steuersys-teme Gewinne steueroptimal auf dem gesamten Globus zu verteilen und die Finanzkrise löste infolge der astronomischen Höhen der Staatsschulden einen globalen Kampf der Staaten um die Steuersubstrate der Unternehmen und der natürlichen Personen aus. Die Steueroptimierung der Wirtschaft stand im krassen Gegensatz zu den gestiegenen Finanzbedürfnissen der Staaten infolge der Finanzkrise und führte zu massiver Kritik an der Steuerplanung der Unternehmen durch die Politiker/-innen.

In diesem Spannungsfeld steht die Steuerberatung plötzlich als «Urheberin» und «Erfinderin» dieser Entwicklung im Kreuzfeuer der Kritik und ein «langweiliger» Beruf steht unverhofft im Scheinwerferlicht des öffentlichen Interesses. Steuerplanung wird immer stärker in den Dunstkreis von «Steuerhinterziehung» gerückt. In der Öffentlichkeit wird mehr und mehr eine Unterscheidung zwischen gesetzlich korrektem und moralisch vertretbarem Verhalten im Zusammenhang mit der Steuerplanung und der Steuerberatung diskutiert und versucht, die bestehenden gesetzlichen Regelungen durch politischen Druck und nicht durch den gesetzgeberischen Prozess zu verändern.

Was sind die Ursachen dieser Entwicklung?

Die Steuerwissenschaft ist keine exakte Wissenschaft. Es ist die Vernetzung und die Abstimmung von verschiedensten gesetzlichen Grundlagen und Regeln mit wirtschaftlichen Vorgängen, welche durch die internationale Verflechtung unbestritten an Komplexität zugenommen haben. Nur schon die Abstimmung von gleichen Vorgängen unter unterschiedlichen staatlichen Rechtsauffassungen führt zu Unklarheiten und Ungenauigkeiten. Die Steuerberatung ist die Annäherung an das «richtige» Resultat, nach bestem Wissen und Gewissen. Dass sich dieses «richtige» Resultat im Laufe der Zeit verändert, ist eine ureigene Eigen-schaft des Rechts, auch des Steuerrechts. Die Veränderung der Rechtsauffassung ist eine gesellschaftliche Entwicklung und es ist Aufgabe des Gesetzgebers diese Veränderung gesetzgeberisch umzusetzen. Es ist nicht möglich und zulässig, dass plötzlich einzelne Gruppen der Gesellschaft für die Umsetzung von neuen Auffassungen in die Pflicht genommen werden, ohne dass gesetzliche Anpassungen vorgenommen werden.

Die zunehmende Verflechtung der Wirtschaft und die Zunahme der Regulierungen im Steuerrecht ist die eine Seite der Medaille. Wie bereits früher erwähnt, findet auf der anderen Seite auch ein Wettbewerb der Staaten um das Steuersubstrat statt. Bei einem Wettbewerb gibt es Gewinner/-innen und Verlierer/-innen. Dass Staaten, welche sich als Verlierer dieses Steuerwettbewerbs empfinden, die Schuldigen für den Verlust von Steuersubstrat bei den Steuerpflichtigen und den beratenden Personen suchen, ist aber sicher der falsche Ansatz.

Der Steuerberater/Die Steuerberaterin als Vermittler/-in

Das Steuerrecht hat in den letzten Jahrzehnten durch die zunehmende weltweite Verflechtung und Veränderung der wirtschaftlichen Aktivitäten an Komplexität massiv zugenommen. Für ein Unternehmen oder für eine natürliche Person ist es ohne Fachkenntnisse praktisch nicht mehr möglich, die steuerlichen Auswirkungen ihres Handelns korrekt einzuschätzen und Risiken zu erkennen. Die Steuerpflichtigen, welche vor allem in einem internationalen Umfeld tätig sind, sind auf fachliche Unterstützung angewiesen, damit sie nicht in Konflikt mit den staatlichen Institutionen geraten.

Im Bewusstsein, dass die Steuerberatung in einem schwierigen Spannungsfeld stattfindet, haben sich die Berufsverbände und die Wissenschaft in den letzten Jahrzehnten mit enormen Aufwand für die Qualitäts-sicherung und Qualitätssteigerung engagiert und die Ausbildung der Steuerfachleute erweitert und vertieft. Die Qualität der ausgewiesenen Steuerfachleute hat heute einen sehr hohen Standard erreicht und garantiert die fundierte und korrekte fachliche Begleitung der Steuerpflichtigen. Zu dieser Qualität zählt auch das Bewusstsein, dass Steuerberatung immer im gesetzlichen Rahmen stattzufinden hat. Durch die öffentliche Diskussion und die laufenden Projekte der OECD, der EU und der G20 hat sich zudem in der Beratung sicher auch die Erkenntnis mehr und mehr durchgesetzt, dass man immer auch die Frage stellt, ob das was möglich, auch richtig und für die Zukunft nachhaltig ist. Der Beratungsansatz hat sich in diesem Sinne gegenüber 10 oder 15 Jahren verändert. Der Steuerberater/Die Steuerberaterin ist ein Vermittler/eine Vermittlerin zwischen allen Beteiligten. Mit Kompetenz hilft die beratende Person mit, dass die Verteilung eines umstrittenen Gutes im Rahmen der Regelungen korrekt möglich ist.